Economiesuisse: Argumente aus der Mottenkiste gegen Energiewende (Update 31.1.)

Die economiesuisse will mit einer Studie beweisen, dass die Energiewende schädlich und viel teurer ist. Dabei wird sowohl technische Innovation wie  gesellschaftlicher Wandel vollkommen ausgeblendet. Und die dabei falsch errechneten BIP Einbussen im Prozentbereich werden von economiesuisse über Jahrzehnte hinweg kumuliert: So entsteht die Schlagzeilen-Horrorzahl -25% BIP. 

Der WWF Schweiz bringt die Kritik in seiner Reaktion auf den Punkt:

«Die Studie nimmt Preise und Technik von vor 13 Jahren und geht davon aus, dass sich beides während 50 Jahren nicht verändert. Als hätten wir heute noch Telefone mit Wählscheibe und Öl für 20 Franken pro 100 Liter.»

Ähnlich pronociert äussert sich auch mein Nationalratskollege, der Grüne Vize-Präsident Bastien Girod, im Interview auf Newsnetz:

«Die Studie nimmt an, dass sich die Technologie von erneuerbaren Energien seit 2000 nicht weiterentwickelt. Bereits von 2000 bis heute haben sich die Kosten von Wind und vor allem Solar um mehr als den Faktor zwei reduziert, und es ist sicher, dass sich die Kosten weiter reduzieren. Weiter wird angenommen, dass die CO2-Steuer auf über 1000 Franken pro Tonne steigen wird und trotzdem Gaskraftwerke gebaut werden, was sicher nicht eintreffen wird.»

Wie stark die Preise von Solarmodulen gesunken sind und dass die Netzparität erreicht oder in Griffweite ist, das zeigen nicht Prognosen für die Zukunft sondern Statistiken aus der Vergangenheit, wie diese Darstellung aus einer Studie von 2011 (Quelle: Aktuelle Fakten zur Fotovoltaik in Deutschland, Fraunhofer Institut):

blogpost_solarstrom_kostenentwicklung

Wer die Studie auf weitere Mängel abklopfen will, sie ist auf der Website von Economiesuisse zu finden.

Andere ebenfalls in einer ETH Studie getroffene Abklärungen mit realitätsnäheren Annahmen ergaben im Gegensatz zur economiesuisse-Studie die klare Machbarkeit eines Atomausstiegs und einer klimaverträglichen Energiewende, wie die Zusammenfassung herausstreicht (Hervorhebung unten durch mich):

«We find that the nuclear phase-out can be achieved at relatively low costs, even when the expansion capacities of other technologies are limited. Consumer welfare decreases by 0.4% at the maximum compared to business as usual. Our results show that an economy can cope well with ambitious energy policies through sufficient innovation. Economic growth is not  slowed down significantly. The phase-out policy contributes to a structural shift in favor of innovative, energyextensive sectors. It does not work against the climate policy goals but rather accelerates the transition to a less energy-dependent economy. »

UPDATE 31.1.: Unterdessen hat sich in einem Gastkommentar «Die Interpretationen von Economiesuisse sind völlig überzogen» auf Newsnetz auch Prof. Beat Hotz-Hart, geäussert, Professor ad personam für angewandte Volkswirtschaftslehre an der Universität Zürich, er arbeitet momentan beim ETH-Rat. Sein Fazit:

«Die Studie ist wissenschaftlich sauber durchgeführt. Sie ist gemessen an der Bedeutung der Effekte eine Studie zu den Konsequenzen von Massnahmen zur CO2- und damit zur Klima-Problematik. Die Variante, die nur und allein den Atomausstieg rechnet, kommt zu relativ leicht tragbaren Folgen für die Volkswirtschaft der Schweiz. Die Aussagekraft des Modells ist jedoch äusserst begrenzt. Daraus Schlüsse über die Machbarkeit oder Durchführbarkeit der Energiestrategie 2050 zu ziehen, ist nicht möglich. Eine andere Frage ist, wie die politischen Gruppen diese Studie verwenden.»