Flüchtlinge studieren lassen!

Wer in die Schweiz flüchtet, ist nicht automatisch schlecht qualifiziert. Darum will ich in der Herbstsession anregen, dass die Schweiz die Ausbildung der Flüchtlinge ernstnimmt. Geflüchtete Studierende sollen ihr Studium beenden können. Und warum sollte die Schweiz nicht spezielle Kontingente schaffen für temporäre Aufenthalte von Syrischen StudentInnen, welche hier ihr Studium beenden und danach mit ihrem Wissen zum Wiederaufbau ihres hoffentlich dann wieder befriedeten Landes beitragen können?

Es darf nicht sein, dass Flüchtlinge in der Schweiz vor dem Nichts stehen, weil es keine Möglichkeiten gibt, rasch das Studium weiterzuführen. In Deutschland ist man hier offener, wie die Aargauer Zeitung berichtet (Beitrag 26.8.2015). Warum wird in der Schweiz die Wiederaufnahme des Studiums nach der Flucht nicht erleichtert?

Immerhin hätten wir ein tolles historisches Vorbild. Ungarnflüchtlinge, welche 1956 Schutz in der Schweiz fanden, konnten danach ihr Studium abschliessen. Eine Gedenktafel im Hauptgebäude der Universität Zürich als Zeichen des Dankes wurde 2006 eingeweiht. Finanziert von zwölf ehemaligen ungarischen Medizinstudierenden. Ein Bericht der Uni-News beschreibt:

An der Einweihung der Gedenktafel waren auch ehemalige Mitglieder der «Studentischen Direkthilfe Schweiz-Ungarn» anwesend, darunter Alt-Bundesrätin Elisabeth Kopp, die damals an der Universität Zürich Rechtwissenschaft studierte und als 19-Jährige die Direkthilfe mitgründete.
Rund 20 Studierende engagierten sich in der Direkthilfe, erzählte die damalige Helferin Lilian Jaeggi-Landolf unipublic anlässlich der Gedenkfeier. Einige Studierende reisten nach Österreich und ins damalige Jugoslawien, um geflüchtete ungarische Studierende in Empfang zu nehmen und nach Zürich zu begleiten.

Auch der Ursprung der heute noch aktiven WOKO (Studentischen Wohngenossenschaft Zürich) liegt laut den Bericht in dieser Zeit: Anlass für die Gründung war die Suche nach Wohnraum für Flüchtlinge.

Sonderkontingente für Syrische-Studierende

Der Bundesrat hat Anfang Jahr zwar angekündigt, ein Kontingent von 2000 Syrien-Flüchtlingen aufzunehmen und 1000 Personen den Familiennachzug zu erlauben. Geschehen ist bis jetzt wenig. Umso wichtiger wäre es, nun vorwärts zu machen. Und zusätzliche Möglichkeiten für einen vorübergehenden Schutz bedrohter Menschen aus Syrien zu schaffen. Warum nicht die Möglichkeit schaffen, dass Syrische Studentinnen und Studenten ihr Studium an einer Schweizerischen Universität fortsetzen und idealerweise beenden können? Zumindest Studierenden mit Deutsch, Französisch oder Englisch-Kenntnissen müsste das möglich sein – immerhin haben wir auch heute schon Austausch-Studierende, welche nicht perfekt Deutsch sprechen.

Auch diese Idee werde ich in der Herbstsession zur Debatte stellen und bin gespannt auf die Antwort des Bundesrates in der Fragestunde!

 

 

 

Bild: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Schweiz.Ungarn.50.jpg / Adrian Ritter, unicom/Universität Zürich / CC-BY 3.0