Daniel Vischer ist tot.

Daniel Vischer ist tot. Der frühere Grüne Nationalrat starb am 17. Januar, einen Tag nach seinem 67. Geburtstag. Nur ein paar persönliche Worte.

Dani war seit meinem Beitritt zu den Grünen als 19jähriger für mich ein Vorbild, Sparringpartner, durchaus manchmal ein Ärgernis, und selten auch ein parteiinterner Gegner. Aber er war immer da, eine Referenz. Und ein sicherer Wert, wenn es darum ging, sicher Geglaubtes zu hinterfragen, den «Gottesdienst» gegenüber den angeblich einzig richtigen grünen Antworten innerhalb der Partei zu stören.

Ich habe ihn bald nach meinem Beitritt zu den Grünen näher kennengelernt, als Dani gegen Ernst Buschor für den Regierungsrat kandidierte. «Umwelt. Arbeit. Zukunft.» war das Motto, und das Wahlresultat sollte, auch wegen eines unabhängigen dritten Kandidaten aus dem links-grünen Umfeld, diskussionslos schlecht sein. Als 21jähriger junger Grüner begleitete ich Daniel freiwillig praktisch an jede Veranstaltung. Schrieb mit ihm zusammen – der Text ging hin- und her zwischen uns in seinem Büro – sein Wahlprogramm. Im Rückblick muss ich sagen: eine völlige Anmassung meinerseits natürlich. Und gleichzeitig ein Zeichen für seine Geisteshaltung, die Daniel prägte: die Neugier, auch gegenüber unerwarteten Ideen. Die Bereitschaft, schon fast der Drang, sich infrage stellen zu lassen. Auch durch sich selbst.

Dani liebte die Debatte über alles. Und es war passend, dass er mir das Buch «Der lange Sommer der Theorie» schenkte im Frühling 2015, eine Art bücherunterlegte Geschichte der 68er. Er lebte selbst immer noch in diesem langen Sommer, und ihm wurde kalt, wenn er merkte, dass Geschichte, Fragen, Debatte, Theorie nichts mehr zählten. Bücher waren für ihn geistige Rationen, und selten sah man ihn ohne ein Buch in der Hand herumschlendern.

In der Fraktion und im Nationalrat begegnete ich nicht nur dem be- und geachteten Redner, der – durch den Krebs kurzatmiger und eher noch prägnanter geworden – sich von den früher geliebten weit ausgreifenden Verbalklammern trennen musste, in denen er den Ort für seine Einwände gegen das eigene Argument zu schaffen gepflegt hatte. Ich begegnete in der Fraktion auch einem Kollegen, der Vorlagen mit knappen Worten in ihren Kontext, ihren geschichtlichen Zusammenhang zu stellen wusste – eine selten gewordene Begabung, das Wesentliche herauszuarbeiten, einzuordnen.

Dani wird nun so zu uns sprechen, wie wir ihn schon immer kannten. Er ging an Anlässen auf einen zu, sprach einen an, oft eine Variante der leninschen Frage «was tun?», und schritt weiter, an einem vorbei, und fuhr im Rücken des Angesprochenen fort. Entschwindend.