Ab 2025 nur emissionsfreie Neuautos

Die Schweiz hat das Klimaabkommen von Paris unterzeichnet. Nun müssen auch Taten folgen. Mein Vorschlag für die Umsetzung: Ab 2025 dürfen in der Schweiz keine Autos mit Verbrennungsmotor mehr zugelassen werden.

Die Schweiz hat sich mit der Unterzeichnung des Pariser Klimaabkommens dazu verpflichtet, bis 2030 die Treibhausgasemissionen gegenüber 1990 um 50 Prozent zu senken. Um dieses Ziel zu erreichen, muss die Schweiz mit innovativen und intelligenten Ideen an der Umsetzung arbeiten. Ein Szenario unter anderen: Ab 2025 dürfen nur noch «Zero Emission»-Fahrzeuge als Neuwagen verkauft werden.

Die Grünen streben eine nachhaltige Mobilität an. Unsere drei Grundsätze: Verkehr vermeiden. Auf den ÖV verlagern. Und den Rest verträglich gestalten für Klima, Umwelt und Mensch. Ein Verbot für Verbrennungsmotoren ab 2025 würde Druck auf alle drei Bereich machen.
— Balthasar Glättli, Nationalrat

Bereits 2013 haben die Grünen einen Aktionsplan für Elektromobilität verabschiedet. Angesichts der sich verschärfenden Klimasituation sind nun rasch griffige Massnahmen nötig. Hier geht es zum Text meiner aktuellen Motion. Die Rundschau berichtete am 8. März 2017 darüber – und über Norwegen, den Spitzenreiter bei der Elektromobilität:

 

Das Szenario

Der Bestand an motorisierten Strassenfahrzeugen nahm gemäss Bundesamt für Statistik gegenüber dem Jahr 2015 erneut zu. Voraussichtlich dauert es nicht mehr lange bis die Schwelle von 6 Millionen Fahrzeugen überschritten wird. Fast drei Viertel des Fahrzeugbestandes sind Personenwagen. Entsprechend hoch ist das Potenzial in diesem Bereich, um Treibhausgasemissionen einzusparen.

Wenn ab 2025 keine Autos mit Verbrennungsmotoren mehr zugelassen würden, hätte das aber nicht nur positive Auswirkungen aufs Klima und den sonstigen Schadstoffausstoss. Positiv wäre auch:

  • Schaffung von Arbeitsplätzen: Die Umstellung auf Elektroautos erfordert die Kenntnisse in neuen Technologien sowie den Um- und Ausbau von Infrastruktur. Dies schafft neue Arbeitsplätze.
  • Verbesserte Lebensqualität: Wäre das Leben nicht schöner ohne Motorenlärm und stickigen Abgasen? Elektroautos sind leise und verursachen keine direkten Emissionen bei der Nutzung. Gerade das Wohlbefinden in Städten würde eine Umstellung auf Elektroautos enorm steigern.
  • Auswirkungen über die Schweiz hinaus: Wenn die Schweiz – allenfalls zusammen mit anderen Ländern wie Norwegen, Holland, Österreich oder Indien – zum Markt für Zero-Emission-Fahrzeuge wird, ist dies ein grosser Anreiz für Autohersteller, bei der Entwicklung auch günstigerer solcher Fahrzeuge vorwärts zu machen.

Was bedeutet die umstellung?

BesitzerInnen von Autos mit Verbrennungsmotoren dürfen diese weiterhin auch nach 2025 nutzen. Auch Schweizer Occasionsbenziner dürfen ab 2025 in der Schweiz weiter verkauft werden. Das Verbot gilt nur für Neuzulassungen. Es müsste aber strikte umgesetzt werden.

Die bekannteste Form von Zero Emission Fahrzeugen sind Elektroautos. Sie funktionieren – wie der Name sagt – mit Strom. Einerseits werden sie über Nacht zu Hause geladen, was mit der heutigen Technologie noch mehrere Stunden dauert. Andererseits stehen Autos auch untertags viele Stunden herum. Es sollte also auch dort – gerade über Mittag, wenn viel Solarenergie produziert wird – auch aufgeladen werden können. Erst wer die Mobilität auch über längere Distanzen nicht einschränken will, braucht zusätzlich dann noch Ultra-Schnellladestationen an Tankstellen und anderen Standorten. Mit diesen Ladestationen aus dem EU-kofinanzierten Projekts «Ultra-E» kann ein Elektroauto innerhalb von 20-30 Minuten geladen werden, was Reichweiten von bis zu 300 km ermöglicht. In Österreich ist ein solches E-Ladenetz bereits in Planung.

Allerdings gibt es auch andere Zero Emission Technologien, zB. Brennstoffzellen mit Wasserstoff. Der Vorstoss ist entsprechend klar nicht auf Elektromobile beschränkt.

DIE SCHWEIZ WÄRE NICHT ALLEIN

Als Teil von Europa muss die Schweiz ihre Mitverantwortung wahrnehmen. In verschiedenen europäischen Ländern werden Verbote für Autos mit Verbrennungsmotoren auf politischer Ebene diskutiert. In Norwegen sollen gemäss dem Verkehrsplan-Entwurf der Regierung ab 2025 nur abgasfreie Fahrzeuge verkauft werden dürfen. In den Niederlanden hat die zweite Kammer des Parlaments ein gleiches Vorhaben beschlossen. In Österreich macht sich das Umweltbundesamt ähnliche Gedanken und spielt in einer Studie verschiedene Szenarien zur Umsetzung durch. Und die Grünen in Deutschland fordern sauberes Autofahren ab 2030.

Auch wenn die Schweiz im Vergleich zu anderen Ländern einen verhältnismässig kleinen Automarkt bietet, so ist der europaweite «Katalysator-Effekt» nicht zu unterschätzen. Fördern einzelne Märkte die Nachfrage nach neuen Technologien, haben die Hersteller grösseren Anreiz, die neuen Technologien voranzutreiben und auch bezahlbare Angebote zu produzieren.

Kritische Punkte

In der Kritik steht immer wieder die schmutzige Herstellung von Elektroautos. In der Gesamtbilanz hat «das Elektroauto (…) heute nur leichte Umweltvorteile», sagt Hinrich Helms, Wissenschaftler am IFEU und spezialisiert auf die Umweltauswirkungen des Elektroautos, in einem Artikel der Zeit Online. Aber: «Es wird deutlich besser werden. Die Zeit spielt für das Elektroauto.» Setzen wir also politisch Druck auf, wird das Elektroauto bis 2025 eine deutlich bessere Energie- und CO2-Bilanz aufweisen als Autos mit fossilen Antrieben.

Ein zentrales Augenmerk muss man auf die Herkunft des Stromes legen. Es darf nicht passieren, dass der grössere Stromverbauch aufgrund der Elektroautos als Begründung genutzt wird, weiterhin AKWs zu betreiben und Strom aus Kohlekraftwerken aus dem nahen Ausland zu nutzen. Im Gegenteil. Die Umstellung auf Elektroautos ist ein weiterer Grund, in erneuerbare Energien zu investieren und deren Entwicklung voranzutreiben. Wir würden entsprechend gleich in zwei Branchen die Umsetzung des Klimaabkommens von Paris vorantreiben. Allerdings hat Hanspeter Guggenbühl vorgerechnet, dass selbst dann, wenn der ganze Strom für die Elektroautoflotte in der Schweiz mit neuen Gaskraftwerken erzeugt würde, der CO2-Ausstoss der elektrifizierten Autoflotte um einen Drittel sinken würde.

Wichtig bleibt aber gleichzeitig auch, alle drei Grundsätze der Grünen parallel weiter zu verfolgen:

  1. Verkehr vermeiden: Unnötigen Verkehr vermeiden, indem z.B. Telearbeit ausgebaut werden oder Lieferdienste mit einem Fahrzeug dutzende von individuellen Fahrten vermeiden
  2. Verkehr verlagern: Ausbau der sanften Mobilität, also Fuss- und Veloverkehr, und Förderung des öffentlichen Verkehrs
  3. Verkehr verträglich gestalten: Der verbleibende Verkehr muss klimafreundlicher und leiser werden.