Moratorium für Glyphosat!Geschätzte Lesedauer: 8 Minuten

Glyphosat ist ein Herbizid und wird vor allem von Monsanto für Unkrautvertilgungsmittel eingesetzt. Es gibt Studien, welche zum Schluss kommen, dass Glyphosat krebserregend ist. Darum fordern die Grünen im September 2017 ein Moratorium für den Glyphosat-Einsatz. Zuvor war ein grüner Vorstoss zur Umsetzung des Vorsorgeprinzips bei Pestiziden vom Nationalrat klar abgelehnt worden. Hier ein Rückblick bis 2012.

Rund um das Herbizid Glyphosat gibt es zur Zeit zahlreiche Entwicklungen. Ich versuche euch hier auf dem Laufenden zu halten.

29. Mai 2018:

Das Collegium Ramazzini, welches aus unabhängigen Forschenden besteht, veröffentlicht im Wirtschaftsjournal Environmental Health die besorgniserregenden Ergebnisse ihrer Glyphosat-Studie. Die Tests an Ratten ergaben, dass Glyphosat die Zusammensetzung in der Darmflora verändert. Zudem scheint das Pestizid auch in niedrigen Dosen die sexuelle Entwicklung zu beeinflussen und die Erbsubstanz zu schädigen. » Informationen auf Deutsch

Diese Studie bestätigt die Gefahr, welche von Glyphosat ausgeht. Umso wichtiger sind weitere unabhängige Studien. Ein weiteres Forschungsprojekt des Ramazzini-Instituts wird folgen. 

31. Januar 2018:

Die Grünen feiern in der Schweiz einen Teilerfolg im jahrelangen Kampf gegen Glyphosat. Der Bundesrat befürwortet das Postulat 17.4059 von Adèle Thorens, das ihn auffordert, einen möglichen Ausstiegsplan zu prüfen. Als nächstes muss der Nationalrat darüber abstimmen. » Postulat

18. Januar 2018:

Die Grünen bringen ihr Anliegen im Europaparlament durch: Ein Sonderausschuss soll die Zulassung des umstrittenen Pflanzenschutzmittels Glyphosat prüfen. Die 30 Abgeordneten sollen untersuchen, wie Zulassungen von Pflanzenschutzmittel generell in der EU zustande kommen. Dabei sollen die Qualität der Studien geprüft und etwaige Einflussnahme oder mögliche Interessenkonflikte unter die Lupe genommen werden. » Schweizer Bauer

9. Januar 2018:

Die SRF-Sendung Puls geht der Frage «Wie gefährlich sind die Rückstände in unserem Essen?» nach. Kantonschemiker Kurt Seiler äussert im Beitrag, dass «Abbauprodukte von Pestiziden während Jahren oder Jahrzehnten im Grundwasser bleiben». » SRF-Beitrag

Um Pestizid-Rückstände im Essen möglichst zu vermeiden gibt es von Experten folgende Tipps:

  • Bio-Produkte oder andere Lebensmittel aus naturnaher Produktion kaufen.
  • Lieber Tiefkühlkost als Produkte aus dem Gewächshaus. Tiefkühlkost wird saisonal produziert.
  • Vorsicht bei Importware!
  • Vielseitig essen. Wer ständig das Gleiche isst, hat möglicherweise ein Klumpen-Risiko.
  • Schälen oder blanchieren ist wirksamer als waschen. Allerdings verschwinden gerade beim Schälen viele Vitamine.

11. Dezember 2017:

Edith Häusler-Michel Edith (Grüne, Kilchberg), unterstützt von Beat Monhart (EVP, Gossau) und Michael Zeugin (GLP, Winterthur), reicht im Zürcher Kantonsrat die parlamentarische Initiative «Standesinitiative zum Verbot der Anwendung des Wirkstoffes Glyphosat» (340/2017) ein. Sie enthält die folgende Forderung: Der Bund wird eingeladen, das Bundesgesetz über den Umweltschutz (USG) im 2.Titel 2. Kapitel: Umweltgefährdende Stoffe so zu ergänzen, dass die Anwendung des Wirkstoffes Glyphosat in der Schweiz verboten wird.

11. Dezember 2017:

Antwort des Bundesrates auf die Frage von Adèle Thorens «Warum die tolerierte Konzentration von Pestiziden in den Gewässern anheben?» (17.5594) : 1998 wurde als Vorsichtsmassnahme für organische Pestizide (Pflanzenschutzmittel und Biozide) ein Grenzwert von 0,1 Gramm pro Liter in Oberflächengewässern festgelegt. Allerdings unterscheiden sich die Konzentrationen, welche eine schädliche Wirkung auf Wasserorganismen haben, von Pestizid zu Pestizid. Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse ermöglichen nun die Festlegung von Werten unter Berücksichtigung der Toxizität der einzelnen Stoffe für diese Organismen. Das bedeutet, dass die Wasserverschmutzung angemessener beurteilt werden kann. (Frei übersetzt aus dem Französischen.)

11. Dezember 2017:

Der Solothurner Kanton Solothurn plant den Einstieg in den Glyphosat-Ausstieg. Der Solothurner Regierungsrat stimmt einer Einsatzbeschränkung des umstrittenen Pflanzenschutzmittels zu. » Solothurner Zeitung

09. Dezember 2017:

Seit Dezember ist eine Teilrevision der Gewässerschutz-Verordnung in in der Vernehmlassung. Gemäss Tages-Anzeiger steht in einem erläuternden Bericht zu dieser Teilrevision die Absicht des Bundesamts für Umwelt (Bafu), den Grenzwert für Glyphosat in Bächen, Flüssen und Seen um das 3600-fache zu erhöhen. Bis Mitte März haben Kantone, Parteien und Verbände Zeit, ihre Meinung zur Teilrevision einzureichen. Wir Grünen werden uns in der Vernehmlassung natürlich klar gegen diese Erhöhung der Grenzwerte aussprechen. Bereits vor den Medienberichten hat die Grüne Adèle Thorens eine kritische Frage eingereicht.

27. November 2017:

Die EU-Kommission hat bedauerlicherweise entschieden,  die Zulassung von Glyphosat um zusätzliche 5 Jahre zu verlängern. 9 Staaten stimmten jedoch dagegen, unter ihnen Frankreich und Österreich. Vor allem Deutschland kann man für die knappe nötige qualifizierte Mehrheit verantwortlich machen. Es hatte sich bisher der Stimme enthalten, da es regierungsintern Dissens gab. Dieser Dissens war bis zur Abstimmung nicht behoben, weshalb die Zustimmung einen regierungsinternen Krach auslöste: Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) hatte trotz des Widerstands der Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) der Zulassungsverlängerung zugestimmt.  » NZZ

9. November 2017:

Die EU vertagt erneut einen Entscheid zum Glyphosat. Der Expertenausschuss wird sich nicht einig. Es gibt weder die nötige qualifizierte Mehrheit für noch gegen den revidierten Vorschlag der EU-Kommission. » NZZ

26. Oktober 2017:

Weiterer Widerstand formiert sich. Zum Beispiel verbietet in Deutschland die Grossmolkerei Berchtesgadener Land ihren etwa 1800 Zulieferern die Verwendung von Glyphosat. » Mehr dazu

24. Oktober 2017:

Die EU vertagt einen Entscheid zum Glyphosat. Die Frankfurter Allgemeine schreibt dazu: Die Entscheidung über die weitere Zulassung des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat in der Europäischen Union ist vertagt. Das zuständige Expertengremium der EU-Länder stimmte am Mittwoch in Brüssel nicht ab, wie die EU-Kommission mitteilte. Stattdessen soll in den nächsten Wochen abermals beraten werden. (…) Um die Chemikalie, die in Verdacht steht, krebserregend zu sein, ist ein Streit zwischen den 28 EU-Mitgliedsländern entbrannt, da sich im Vorfeld wichtige EU-Staaten gegen die zeitliche Erweiterung der nur noch bis Ende des Jahres laufenden Zulassung wehrten. Die EU-Kommission hatte zunächst eine Verlängerung um zehn Jahre vorgeschlagen, doch ist am Dienstag von ihrem Vorschlag abgerückt. Wie ein Sprecher nach der wöchentlichen Sitzung der Kommission sagte, strebt die Behörde nun in Abstimmung mit den Mitgliedstaaten eine Verlängerung zwischen fünf und sieben Jahren an. (…) Das Europaparlament hatte zuvor in einer Resolution gefordert, die Zulassung nach fünf Jahren im Dezember 2022 auslaufen zu lassen. Die weitere Verwendung wollen die EU-Abgeordneten außerdem an bestimmte Auflagen knüpfen. So soll ein Einsatz unmittelbar vor der Ernte europaweit verboten werden. 

29. September 2017:

Tiana Angelina Moser (glp) reicht die Motion «Der Aktionsplan zur Reduktion von Pflanzenschutzmitteln darf nicht zur Scheinlösung werden» ein. Sie fordert den Bundesrat auf, Ressourcen bereitzustellen, um die im Aktionsplan Pflanzenschutzmittel definierten Ziele innerhalb definierter Fristen zu erreichen. Dabei pocht sie darauf, die Finanzierungsmöglichkeiten durch die Verursacher zu prüfen (Kostendeckungsprinzip).

27. September 2017:

Die Grüne Fraktion (Sprecher Balthasar Glättli) reicht die Moratoriums-Motion «Verbot des Unkrautvertilgungsmittels Glyphosat mindestens bis 2022» ein. Sie fordert den Bundesrat auf, die Anwendung von Glyphosat und glyphosathaltigen Produkten bis 2022 oder länger zu verbieten.

18. September 2017:

Die grüne Motion 15.3835 für die Einführung des Vorsorgeprinzips bei Pestiziden kommt zur Abstimmung. Hier die Voten von Louis Schelbert (GRÜNE) für und von Bundesrat Schneider-Ammann gegen die Motion (hier das Video). Louis Schelbert schliesst sein Votum wie folgt: “Die Grünen fordern den Bundesrat auf, seine Bewertung der Gefährlichkeit von Glyphosat sowie die für die Verwendung von Glyphosat erteilten Bewilligungen zu überdenken und den Verkauf zumindest zu sistieren. Migros und Coop nahmen Glyphosat vorsichtshalber aus dem Sortiment. Das Vorsorgeprinzip muss sich auch bei den Behörden durchsetzen.” In der Abstimmung wird der Grüne Vorstoss aber klar gegen die Stimmen der Grünen, der SP und der Grünliberalen mit 63 zu 120 Stimmen abgelehnt. Nur fünf mutige NationalrätInnen aus anderen Parteien stimmen zu (Abstimmungsverhalten).

Juni 2017:

Nach der Veröffentlichung der IARC beginnt eine Studienschlacht. Einen Überblick bietet der Zeit-Artikel.

06. Mai 2015

Die Grüne Fraktion reicht das Postulat «Die Gefährlichkeit von Glyphosat und die Bewilligungen zu dessen Verwendung überprüfen» ein. Der Bundesrat wird gebeten, die Gefährlichkeit von Glyphosat, die erteilten Bewilligungen zur Verwendung und die Arbeit der Verwaltung in diesem Bereich zu prüfen.

05. Mai 2015:

Die Grüne Fraktion reicht die Motion «Sofortige Sistierung des Vertriebs von gefährlichen glyphosathaltigen Unkrautvertilgungsmitteln» ein. Darin wird der Bundesrat aufgefordert, «den Vertrieb von Glyphosat und glyphosathaltigen Produkten sofort zu sistieren und die Langzeitrisiken einer Exposition für Mensch, Tier und Umwelt umfassend abzuklären.»

Der Grüne Louis Schelbert stellt in seiner Interpellation dem Bundesrat zahlreiche Fragen zum «Zulassungsprozess für Pestizide». In den Antworten des Bundesrates steht unter anderem: «Dem Bundesrat ist bekannt, dass die internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im März 2015 Glyphosat neu als “wahrscheinlich krebserregend” eingestuft hat. Dieser Entscheid wurde am 20. März 2015 in “The Lancet” in Form eines kurzen Artikels publiziert. Dieser Artikel erlaubt es jedoch nicht, die Schussfolgerungen des IARC objektiv und wissenschaftlich nachzuvollziehen. Der umfassende Bericht und die detaillierten Auswertungen, die zu dieser neuen Einstufung geführt haben, stehen noch nicht zur Verfügung. Gestützt auf die aktuellen toxikologischen Studien gibt es im Moment keinen Anlass, die Gefährlichkeit von Glyphosat zu überprüfen.»

20. März 2015:

Die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC), welche zur WHO gehört, erklärt aufgrund ihrer Studien, warum sie Glyphosat als potenziell krebserregend einstuft.

24. September 2013:

Der Grüne Louis Schelbert stellt eine weiter kritische schriftliche Anfrage zu den Auswirkungen von Glyphosat auf die menschliche Gesundheit.

28. September 2012:

Die Grüne Maya Graf stellt in einer Interpellation kritische Fragen zu Gentechnik und zu Versuchen, die gezeigt haben, dass Glyphosat möglicherweise krebserregend ist.