OSEARA AG: Blick in die GeschichteGeschätzte Lesedauer: 4 Minuten

Die OSEARA AG macht seit Dezember 2017 erneut Schlagzeilen. Für das Staatssekretariat für Migration (SEM) erklärt sie Zwangsausschaffungen für medizinisch zulässig, obwohl die behandelnden Ärzte ganz anderer Auffassung sind. Nun weitet sich der Fall aus.

Die neuesten Vorwürfe gegen die OSEARA betreffen die Qualifikation ihres Personals. Und zwar nicht nur bei den Einsätzen für das SEM, sondern auch bei Einsätzen im Kanton Zürich für die Kantonspolizei. Ein Anlass für mich, ein paar kritische Berichte über die OSEARA AG zusammenzustellen, im Laufe des Tages versuche ich, einige ältere Infos aufzuschalten. Die Kritik an der Firma ist nämlich nicht neu. Wer weitere problematische Fälle oder Aspekte der Arbeit der OSEARA AG kennt, darf mir die Infos gerne auch per Mail oder Post zukommen lassen (vgl. Kontaktangaben unten an der Seite).

Auch zu beachten: die Petition auf act.campax.ch die einen Stopp der Bundesaufträge an die OSEARA AG fordert.

22.01.2018 Grüne Kanton Zürich fordern Untersuchung in der GPK und reichen ein dringliches Postulat ein (vgl. Medienmitteilung)

17.1.2018 Tagi Ärzte ohne nötige Qualifikation begleiten Ausschaffungsflüge
Einige Mediziner der mit Ausschaffungen beauftragten Oseara AG haben weder Notfalltraining noch Facharzttitel. Ab 2017 konnte sich die Firma, bisher ohne grosses Aufsehen in der Öffentlichkeit, einen weiteren attraktiven Auftrag sichern: ärztliche Dienstleistungen für die Kantonspolizei Zürich (Kapo). Auftragsvolumen: fast 2 Millionen Franken. Die Oseara schätzt für die Kapo etwa ein, ob jemand zwangsweise in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wird oder gesundheitlich in der Lage ist, verhaftet zu werden. Dies betrifft alle ZürcherInnen.

29.12.2017 Tagi Bei Ausschaffungen fehlt es an Kontrolle
Niemand überprüft jene Ärzte, die entscheiden, ob eine Ausschaffung medizinisch zumutbar ist oder nicht. Obwohl das nach Ansicht des Bundes nötig wäre.

23.12.2017 Tagi Schweiz schafft Suizidgefährdeten aus
Nach der Ausschaffung einer hochschwangeren Eritreerin wurde ein Aserbeidschaner mit posttraumatischer Belastungsstörung auf den Sonderflug gebracht.

20.12.2017 Tagi Um 4 Uhr klickte bei der schwangeren Eritreerin die Tür
Sie war im achten Monat und laut Ärzten «transportunfähig». Trotzdem wurde die 21-Jährige aus Adliswil ausgeschafft. Was ist hier geschehen?

10.10.2016 Blick Bund vergibt heiklen Job bei Ausschaffungen erneut an Firma Oseara
Der Bund vergibt die medizinische Betreuung bei Ausschaffungen erneut an das Nidwaldner Unternehmen Oseara. Deren Angebot weise das beste Preis-Leistungsverhältnis auf, begründet das Staatssekretariat für Migration (SEM) den Entscheid.

25.3.2013 NZZ Personelle Wirren bei Ausschaffungsfirma
Im Auftrag des Bundesamts für Migration begleiten Ärzte der privaten Firma Oseara seit April 2012 Zwangsausschaffungen. Ihre Arbeit ist höchst umstritten. Zwei ehemalige Mitarbeiter haben zudem eine Konkurrenzfirma gegründet.

24.1.2013 WOZ Ruhiggespritzt und ausgeschafft
Die umstrittene Praxis der Zwangsmedikation bei Ausschaffungsflügen wird auch 2013 fortgesetzt. Das zeigen Recherchen der WOZ. In juristischen und medizinischen Kreisen wird die Kritik am zuständigen Bundesamt für Migration lauter.

7.1.2013 Tagi Ausschaffungen: Moratorium gefordert (nicht online)
“Der grüne Zürcher Nationalrat Balthasar Glättli fordert ein Moratorium für Zwangsausschaffungen. Hintergrund sind personelle Wirren bei der Firma Oseara, die für den Bund die Ausschaffungen im Rahmen eines Pilotprojekts ärztlich begleitet (TA vom Samstag). Als einzige Firma hatte sich die Osearaam Ausschreibungsverfahren des Bundesamts für Migration (BFM) beteiligt, das die Aufgabe per Anfang 2013 definitiv an eine private Firma delegieren wollte. Die Oseara erhielt jedoch eine Absage. Da die Firma in einem «Restrukturierungsprozess» sei, kann sie laut BFM die Anforderungen nicht erfüllen. Deshalb wird das Pilotprojekt bis Mitte 2013 verlängert. Für Glättli ist es unverständlich, dass eine Firma, die den Anforderungen nicht genügt, weiterhin Zwangsausschaffungen begleitet. «Ich werde in der Staatspolitischen Kommission des Nationalrats Druck machen, um ein Moratorium zu erwirken», sagt Glättli. Bereits am Samstag hatte der Verein Ethik und Medizin Schweiz ein Moratorium für Zwangsausschaffungen gefordert.” (Daniel Foppa, daf)

4.1.2013 Tagi Migrationsamt findet keine Ärzte für Zwangsausschaffungen
Ohne medizinische Begleitung darf das Bundesamt für Migration keine Zwangsausschaffungen mehr durchführen. Allerdings findet das BFM keine Ärzte. Eine Zwischenlösung wirft nun Fragen auf.

Nov. 2012 augenauf BULLETIN 75 (PDF)
Das Bulletin von augenauf berichtet (S. 4) über die Privatisierung der Ausschaffungsbegleitung über die extra dafür gegründete OSEARA AG.

16.10.2012 Tagi Neues Ausschaffungsregime in aller Stille
Nach dem Tod eines Nigerianers wird bei Zwangsausschaffungen ein Arzt aufgeboten. Das Bundesamt für Migration will diese Aufgabe nun privatisieren. Ein Pilotprojekt läuft, Kritiker stossen auf taube Ohren.