Mutige Städte gehen voran
In Kürze
Dieser Text erschien als Grüne Gedanken zur Woche in der Wochenzeitung P.S. vom 13.2.2026.
Wenn mich aktuell im Stadtzürcher Wahlkampf Menschen fragen, warum ich den Weg vom nationalen Parlament zurück in die Stadt Zürich und in die hiesige Stadtregierung machen möchte, kommt mir das alte grüne Motto in den Sinn: «Global denken – lokal handeln.» Mit diesem Motto ging von der UNO-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro 1992 der Ruf ganz besonders an die Städte der Welt, bei der Suche nach Auswegen aus der globalen ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Krise eine aktive Rolle einzunehmen.
Heute zerbröselt die regelbasierte Weltordnung. Bundesrat und Parlament streichen im Sparpaket EP27 auch die bereits zu kleinen Ausgaben gegen die Klimakrise nochmals mit dem Rotstift zusammen. Bundesrat Pfister überzeugt seine Kolleg:innen umgekehrt davon, in den nächsten Jahren 31 Milliarden Franken zusätzlich für die Armee ausgeben. In einer aktuellen Umfrage trauen allerdings fast zwei Drittel der Befragten der Armee nicht zu, dieses Geld sinnvoll und effizient einzusetzen …
Man könnte sagen: Die Welt spinnt. Aber die grossen Herausforderungen warten halt nicht, bis die Welt wieder vernünftiger wird. Die Klimakrise und damit verbundene Hitzewellen und Starkniederschläge zum Beispiel werden massiv zunehmen in den nächsten Jahren.
«Realität ist das, was nicht verschwindet, wenn man aufhört, daran zu glauben.» sagte der berühmte Autor Philip K. Dick. Und reale Probleme verschwinden nicht, wenn man aufhört, sie zu lösen. Umso wichtiger ist es, konkrete Handlungsspielräume zu nutzen. Den grössten Hebel dabei haben die Städte. Sie sind heute die Wirtschaftsmotoren. Und sie müssen für eine gute Zukunft ebenso Klimaschutz- und Energiewendemotoren sein, und Vorreiterinnen der Inklusion und der Solidarität.
Warum soll Zürich nicht Solarhauptstadt der Schweiz werden? Warum soll Zürich nicht Energieeffizienz-Vorreiterin werden in unserem Land? Warum soll Zürich nicht Vorbild werden für eine grüne, klimaresiliente Stadt? Warum soll Zürich nicht die Lebensbedingungen von Sans-Papiers verbessern? Warum soll Zürich nicht aufzeigen, wie inklusive Schule geht, die Chancengerechtigkeit schafft, statt Diskriminierung zu verstärken? Warum soll es uns nicht gelingen, einen Weg zu finden, wie eine attraktive Stadt für alle auch bezahlbar für alle bleibt? Und warum soll Zürich nicht mit einem kommunalen Bürger:innenrat für grosse Herausforderungen neue Lösungen entwickeln, die ambitioniert und mehrheitsfähig zugleich sind?
In vielen dieser Bereiche sind wir – auch dank der rot-grünen Mehrheit – bereits unterwegs. Und doch bleibt, verglichen mit den je besten Lösungen in anderen Städten, noch viel zu tun! Jetzt gilt es, bescheiden und mit offenem Geist von anderen zu lernen, die weiter sind. Und gleichzeitig mutig genug zu sein, mal auch den Züri-Finish auf der Seite zu lassen: zugunsten der Geschwindigkeit.
Gestalten wir die Zukunft. Schritt für Schritt. Von unten und konkret!