Solarausbau statt atomare Dunkelflaute
In Kürze
Dieser Text erschien als Grüne Gedanken zur Woche in der Wochenzeitung P.S. vom 10.10.2025.
Energiepolitik ist einfach. Erstens ersetzen wir die bestehenden AKW mit Effizienzmassnahmen. Zweitens bauen wir Solarenergie endlich konsequent aus, um klimaschädliche fossile Energien durch grünen Strom zu ersetzen. Drittens sichern wir mit dem Stromabkommen die Einbindung ins europäische Netz auch für die Zukunft.
Effizienz bringt’s. Massiv.
Eine Studie im Auftrag des BFE zeigte schon 2022: Schweizer Unternehmen und Haushalte können einen Drittel des Endstromverbrauchs einsparen. Ohne Komforteinbusse. Bloss durch den Einsatz der heute verfügbaren sparsamsten Technik. Die nötigen Investitionen? Sind amortisiert in wenigen Jahren. Danach regnets Geld.
Die Grössenordnung ist enorm: wir verschwenden heute nutzlos den gesamten Strom, den unsere AKW produzieren – wenn sie denn laufen. Und die Mehrheit davon im Winter.
Stoppen wir diesen Verbrauch ohne Nutzen. Das ist ein Win Win Win. Für die Versorgungssicherheit. Fürs Portmonee der Konsument:innen und Unternehmen. Und für die Netzstabilität. Denn der Strom, den man nicht produzieren und transportieren muss, belastet auch keine Netze.
Solarpotential ist riesig
Die Solar-Initiative der GRÜNEN Schweiz ist simpel. Und clever. Bei Neubauten und umfassenden Sanierungen soll es in der ganzen Schweiz Solardächer geben – und wo geeignet auch Fassadenelemente. Darum darf die Initiative nicht scheitern. Wer noch nicht unterschrieben hat: Auf www.solar-initiative.info gibt’s Bögen.
Auch die Stadt Zürich soll eigene ehrgeizige Solarziele realisieren. Und die Mittel dafür sprechen. Heute ist die Stadt Zürich Solar-Nachzüglerin. Sie könnte Vorreiterin und Solarhauptstadt der Schweiz werden. Darum lancierten wir GRÜNEN zusammen mit SP und AL eine städtische Solar-Offensive mit einer Doppel-Initiative. Das Ziel: Zürich soll das ganze Solarpotential ausschöpfen.
Ja zur europäischen Zusammenarbeit
Nationalismus ist bei der Stromversorgung, wie in anderen Zusammenhängen auch, das Problem, nicht die Lösung.
Der damalige Widerstand gegen die neoliberale Strommarkt-Zwangsliberalisierung anfangs 2000er war richtig und wichtig. Im neuen Strommarktabkommen gibt’s aber keinen Marktzwang mehr. Geschützte Kund:innen können geschützte Kund:innen bleiben. Und wer sich von falschen Markt-Schalmeien verlocken liess, kann reuig zurückwechseln. Das Abkommen sichert die Kooperation mit unseren Nachbar:innen So können wir vom gesamteuropäischen Ausgleich der Produktion übers ganze Jahr profitieren – zum Beispiel vom deutschen Windstrom. Das ist schlauer, als milliardenteure Überkapazitäten in der Schweiz aufzubauen.
Stop AKW-Dunkelflaute
Atomfans argumentieren gegen die Erneuerbaren immer mit der «Dunkelflaute». Dabei sind die AKW das eigentliche Klumpenrisiko. Das AKW Gösgen bleibt mindestens bis Ende Februar stillgelegt. Kostenpunkt: 500 Millionen.
PS: Klimapolitik ist etwas schwieriger. Mehr erneuerbare Energie heisst ja nicht zwingend weniger fossile Energieerzeugung. Das Klima schützen wir aber einzig mit weniger Klimaverschmutzung. Und dafür braucht’s dringend: mehr GRÜNE.
Balthasar Glättli
Ob «Longevity», diese von Elon Musk und Peter Thiel geprägte Vision vom ewigen Leben für Superreiche, tatsächlich zum Zürcher Wahlkampfknüller taugt, muss sich allerdings noch weisen. Ich wage zu behaupten, dass Projekte für ein besseres Leben für alle in einer grüneren Stadt mehr Menschen aus dem Herzen sprechen als solche für ein unendliches Leben für die, die‘s vermögen. Und wenn wir an die Hitzesommer denken, dann ist die Anzahl Bäume für Zürich wesentlich wichtiger als die Anzahl Parkplätze …
Bei aller Spannung der Stadtratswahlen aber gilt es eins nicht zu vergessen: Die knappen Mehrheiten gibt es im Gemeindrat. Nur eine einzige Stimme Vorsprung haben heute Rot-Grün-Alternative. Darum sind diese Wahlen anekdotisch sicher weniger unterhaltsam. Aber politisch umso wichtiger.
Balthasar Glättli