© (CC BY) Caroline Krajcir

Meine Rede an der Mitgliederversammlung der GRÜNEN Stadt Zürich am 8.7.2025 in der Photobastei zur Nomination als dritter Stadtratskandidat. Sie war ruhiger als ursprünglich geplant – wegen einer schweren Erkältung hatte ich fast keine Stimme… die einstimmige Unterstützung der grünen Mitglieder hat mich umso mehr gefreut!

Meine Bewerbungsrede

(transkribiert mit töggl.ch)

Der Zukunft geht es manchmal ein bisschen so wie meiner heiseren Stimme jetzt gerade. Sie ist fast ein bisschen zu schwach zum gehört zu werden. Und dann braucht es eben uns alle. Denn wenn wir zusammen alle unsere Stimmen, die jede für sich alleine schwach sind, erheben: Dann sind wir laut. Und dann sind wir stark.

Und das möchte ich eigentlich mit euch zusammen, dass wir zusammen auf den Weg gehen. Zusammen diese Kampagne vorwärts führen und dass wir mithelfen, das Anliegen wieder gehört werden, die im Moment völlig unverdient ein bisschen in den Hintergrund verschwinden. Ich habe das Gefühl, im Moment ist eine Zeit, in der man nur noch die Lauten hört, die Gewalttätigen, die Groben, die Trumps und Putins dieser Welt. Und vergisst, dass ganz wichtige Sachen in unserer Welt und auch ganz wichtige Sachen für die Schweiz und für unsere Stadt, dass die zerbrechlich sind, und man zu ihnen Sorge tragen muss. Demokratie, Grundrechte von allen Menschen, auch von denen, die nicht nur Spass machen, und natürlich unsere Lebensgrundlagen.

Die Hitzewelle – wir haben heute jetzt ein bisschen ein Timeout der Hitzewelle zum Glück, sonst hättet ihr es vermutlich nicht bis jetzt ausgehalten in diesem Saal – aber wenn man über das spricht, wenn man darüber spricht, dass die Antarktis schmilzt, wenn man darüber spricht, dass die Hänge runterkommen in den Schweizer Bergen und es sogar eine Debatte gibt „sollte man im Alpenraum eigentlich noch leben oder nicht“, und wenn man dann als GRÜNE diese Frechheit hat und sagt: hat das vielleicht auch noch etwas mit der Klimakrise zu tun? Dann heisst ui, ui, ui… was für eine Ungehörlichkeit. Katastrophenprofiteure seien wir.

Ich meine, wir dürften dort ein bisschen anecken und ich meinte, wir dürften vielleicht auch sagen als GRÜNE, dass wenn wir an die Sommer der Zukunft denken in unserer Stadt, dass dann die Frage der Anzahl Bäume wesentlich wichtiger ist als die Frage der Anzahl Parkplätze. Und wir dürften vorwärtsmachen und sagen Zürich darf in den Wettbewerb gehen – wir haben es vorher beschlossen mit dem Initiativprojekt – Wir dürfen in den Wettbewerb gehen, wir dürfen sagen, es ist uns nicht genug, wenn wir hintendrein trippeln beim Solarausbau auf den Dächern unserer Stadt.

Aber es sind auch Anliegen von Menschen, die ohne goldene Löffel im Mund geboren sind, solche, die vielleicht gerade darum gelernt haben, dass man sich durchsetzen muss, dass man auch selber Türen aufmachen muss, die einem sonst nicht aufgemacht werden, die sich durchzubeissen wissen, weil sie keinen Stammbaum haben, der bis auf das Rütli, bis 1291 zurückgeht… auch diesen Menschen, finde ich, sollten wir zusammen eine Stimme geben in unserer Stadt. Als Arbeitskräfte sind sie den Bürgerlichen zwar willkommen. Aber wenn man dann darauf hinweist, dass dann noch etwas mehr dazugehört, dann gilt der alte Satz vom Max Frisch. Er ist taufrisch leider wie eh und je, obwohl er schon 1965 gesagt worden ist: „ein kleines Herrenvolk sieht sich in Gefahr, man hat Arbeitskräfte gerufen und es kommen Menschen.“ (…) Diesen Menschen möchte ich auch eine Stimme geben: ist nicht ein Zufall, dass ich für übermorgen, wenn wir dann mit den Grossspenderinnen uns treffen, um danke zu sagen, mir ausbedungen habe, dass ich vorher noch an einem anderen Ort sein muss und ein bisschen später komme, denn ich will das 20-jährige Jubiläum* von Bea Schwager als Leiterin der Sanspapiers-Anlaufstelle noch mit ihr zusammen feiern. Es ist ein Abschied von ihr von dieser Stelle, und ich durfte vor zwanzig* Jahren sie dort mit anstellen… eines von diesen Engagements, auf die ich gleichzeitig stolz und die mich gleichzeitig traurig machen: dass es heute immer noch nötig ist. Es zeigt sich auch, es gibt noch viel zu tun, auch in Zürich.

Wenn ihr mich nominiert, dann ist es unser Angebot an Zürich, nicht mehr und nicht weniger. Zwar wächst auch im Bürgerblock, man konnte es heute lesen, die Diversität – auch wenn dieses Wort dem neu gebackenen SVP-Stapi-Kandidat Ueli Bamert vielleicht schon ein bisschen zu „woke“ wäre, wenn man von „Diversität“ spricht. Aber ich finde trotzdem die Auswahl zwischen dem Swissoil-Bamert auf der einen Seite und dem Mini-Musk Përparim Avdili noch ein bisschen bescheiden. Ein Stapikandidat auf der einen Seite, der gegen linke Wollsocken wettert. Der andere, der an seiner PK sagt, die grossen Ziele für ihn als Stapi für Zürich während Ki, Krypto und Longevity.[1] „Longevity“ das heisst Langlebigkeit. Das sind so die Leute, die irgendwie 1000 verschiedene Vitamin-Tabletten essen jeden Tag und auch keine Zeit mehr haben das Leben geniessen, weil sie so fest daran arbeiten müssen, dass es länger wird. Meine Meinung persönlich zu Longevity ist ganz klar, das ist etwa das Gegenteil der Ovi: Ich will lieber ein besseres Leben als ein längeres. (…) Und das bessere Leben: Das schafft niemand alleine. Auch nicht… Selbst neun grüne Stadträte würden das nicht schaffen: sondern dafür braucht es uns alle, dafür braucht es die ganze Gesellschaft und dafür braucht es auch uns GRÜNE: uns GRÜNE quasi als Salz in der Suppe. Grün bewegt. Das ist unser Motto gewesen 1998, als ich das erste Mal damals als jüngster Gemeinderat gewählt worden bin. Und ich glaube, dieses Motto gilt jetzt noch, und bewegen können wir nur zusammen. Und darum ist meine erste Aufgabe nicht Stadtrat zu werden, sondern meine erste Aufgabe ist

mit euch zusammen den Wahlkampf aufzumischen

mit euch zusammen diese Stadt unsicher zu machen

mit euch zusammen Begeisterung zu wecken, dass Zürich eine Zukunft hat und nicht nur eine Vergangenheit

mit euch zusammen diese Ernsthaftigkeit auch in den Wahlkampf zu bringen, dass wir nicht nur über Slogans reden, sondern auch über die riesigen Probleme, an denen jede Stadt in den nächsten zwei, drei Jahrzehnten ganz ganz intensiv arbeiten muss, an denen wir sogar arbeiten müssten, wenn es uns gelingen würde, die Klimaerhitzung von einem Tag auf den anderen zu bremsen: weil wir nämlich schon so viel CO₂ in der Luft haben, dass das Wärmerwerden, das Heisserwerden sowieso weitergeht…

Und ich bin mega motiviert, um mit euch zusammen diesen Wahlkampf zu stemmen, diesen Wahlkampf zu reissen, und ich glaube, ich werde dann irgendwann eine bessere Stimme haben und sonst braucht es uns halt auch beim Reden zusammen. Ladet mich ein: Ich komme, wann immer ich kann. Fragt mich, wenn ihr etwas Neues ausprobieren wollt… von Haustür zu Haustür anklopfen gehen und die Leute fragen, wie sie sich das Zürich von morgen vorstellen. Ich bin dabei, wenn ihr Stände habt, wenn wir Unterschriften sammeln müssen für die Solarinitiativen: unsere zuerst von der Schweiz – ich schaue hier zu Lisa – und dann unsere auch in der Stadt Zürich. Ja, ich helfe mit. Es geht mir nicht darum, der Star zu sein, sondern eher so etwas wie der Edel-Einwechselspieler, der hilft, dass eine Mannschaft, die nur als Mannschaft funktionieren kann, vielleicht noch einen Tick mehr Erfolg hat, um den Ball ins Tor hinein zu schiessen.

Wenn ich jetzt nicht gewählt würde, das entscheidet sich erst am 8. März 2026, dann wäre das, das muss ich zugeben, bitter für mich. Aber wer antritt, der kann auch verlieren und auf das muss man sich auch einstellen können.

Aber wenn wir die rot-grüne-alternative Mehrheit verlieren würden im Gemeinderat, in unserem Stadtparlament, dann würden wir auch die Chancen verlieren, dass Zürich das ist, was es in den besten Momenten in der Vergangenheit immer gewesen ist:

ein Zeichen der offenen Schweiz,

von einer Politik, die vorwärts schaut und nicht rückwärts,

wo die Zukunft zählt und nicht die Herkunft,

wo nicht zählt, dass man perfekt ist, sondern dass man vorwärts macht.

…vorwärts macht mit Lösungen für all die megadrängenden Probleme.

 

Auch ich bin nicht perfekt, auch wir sind nicht perfekt, aber zusammen: zusammen können wir vorwärtsmachen.

 

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* Ich sagte in der Rede fälschlicherweise 30 Jahre…

[1] Dies gemäss der Berichterstattung im P.S. vom 4.7.2025, S. 3: (…) Noch höher hinaus will Parteipräsident Përparim Avdili. Auch er erzählte, wie er in Zürich als Sohn von Einwanderer:innen aufgewachsen ist und dass er diese Stadt liebe. Nur leider sei die aktuelle Politik zu mutlos und farblos. Es werde nur verwaltet, statt vorwärtszugehen. Angesichts des grossen Engagements der FDP für jeden Parkplatz, gegen jede Veloroute und gegen den Mindestlohn wirken diese Vorwürfe einer untätigen Stadt etwas schräg. «Stillstand heisst Rückschritt», sagte Avdili. Er habe einen «Zurich Dream» von Zürich als Metropole, als Ort für künstliche Intelligenz, Blockchain und Longevity. Dafür möchte er Verantwortung übernehmen und kandidiere deshalb für das Stadtpräsidium. (…)