Green und Peace gehören zusammen

Seit meiner letzten Sitzung in der Sicherheitspolitischen Kommission ist es schon einige Wochen her. B$ereits habe ich mein neues Amt als Zürcher Stadtrat angetreten. Und so nutze ich diese letzte Kolumne für einen Blick aus der Distanz.

Die Aufrüstung als angeblich einziges oder zumindest wichtigstes Werkzeug, um mehr Sicherheit zu schaffen, hatte in den letzten 35 Jahren politisch nie mehr Wind unter den Flügeln als jetzt. 

Allerdings ist dies aus zwei Gründen paradox. 

Erstens werden wegen der massiven Übernachfrage einmal bestellte Rüstungsgüter erst Jahre  später geliefert. Also lange nachdem die Angriffe Putins angeblich auch auf weitere europäische Länder ausgeweitet werden.

Selbst die USA als militärische Supermacht wird noch Jahre brauchen, um ihren Vorrat an Luftabwehrraketen und Marschflugkörpern wieder aufzufüllen, der durch den Krieg gegen Iran massiv dezimiert wurde. Und das nur, wenn sie Bestellungen anderer Länder zurückstellt. 

Zweitens erhält man in den nächsten Jahren immer weniger Rüstungsgüter pro ausgegebenem Franken: Die Preise auch für bereits bestellte Kampfjets explodieren.

Wäre es da nicht an der Zeit, realpolitisch zu handeln? Statt überteuerte Rüstungsgüter für den Krieg von übermorgen zu bestellen, hiesse das: Die Resilienz unserer Wirtschaft gegen die Kriege von heute und morgen zu erhöhen. Statt Klimaschutz und Entwicklungszusammenarbeit im Gleichklang mit Trump finanziell zusammenzustreichen, müssten wir genau dort investieren: in die Energiewende, in Klimagerechtigkeit, in die Entwicklungszusammenarbeit und in eine krisenfeste, ökologische Landwirtschaft.

Die Zeichen an der Wand sind überdeutlich. Wie Putins Krieg gegen die Ukraine 2022 erschütterte im Frühling 2026 der Krieg der USA und Israels gegen den Iran die weltweiten Energiemärkte. Die Blockade der Strasse von Hormus führte zu massiven Preisexplosionen bei Erdöl, Erdgas sowie allen damit hergestellten Produkten. Dies legte brutal offen, wie umfassend die fossile Abhängigkeit eine ganze Weltwirtschaft in Mitleidenschaft zieht – auch in Ländern, in denen der Krieg direkt gar nicht spürbar ist. Auch Dünger und in der Folge Nahrungsmittel fehlen weltweit. Wer kann, zahlt viel mehr. Die anderen gehen leer aus.

Klimagerechtigkeit, internationale Zusammenarbeit und eine ökologischere Landwirtschaft sind das Fundament einer umfassende Friedenspolitik. Green und Peace gehören untrennbar zusammen.

Balthasar Glättli (*1972) war 2011-2026 Nationalrat der GRÜNEN. Er war Mitglied der Sicherheitspolitischen Kommission (SiK-N) und der Staatspolitischen Kommission (SPK-N). Seit dem 27. Mai ist er Stadtrat von Zürich

Dieser Text erscheint als Kolumne in der Friedenszeitung im Juni 2026